30.12.11

Eins zu Null

Der erste Durchgang der 60. Vierschanzen Tournee wurde bei starkem Schneefall und ordentlich Rückenwind vom Balken gelassen, immer wieder unterbrochen und zunächst ergebnislos abgebrochen. Die Konkurrenz begann mit einer 95 minütigen Verspätung, die unangenehmen Begleiterscheinungen wurden eine Spur freundlicher, blieben aber launisch. Zuerst flog GS dem Schweizer Marco Grigoli mit 133 Metern im direkten Duell deutlich davon und auf Platz zwei, im Finaldurchgang folgte der ultimative Rest: 137,5 Meter, eine geniale Landung, tolle Punkte, Platz eins und dank Andreas Kofler und Thomas Morgenstern der erste ÖSV-Dreifachsieg bei der Tournee seit 1975. Morgen geht’s weiter nach Garmisch, wo am 1. Jänner die nächsten Wettbewerbsflüge folgen.

Gregor, ein verrückter Tag mit perfektem Ausgang?
Definitiv. Die Bedingungen waren extrem, der Abbruch gerechtfertigt. Danach war´s zwar nicht einfacher, aber fairer, die notwendige Portion Glück gehört immer dazu. Ich habe aus meinen Möglichkeiten das Maximum herausgeholt und bin mit meinem Gesamtpaket sehr zufrieden. Die Konkurrenz hat ein wenig Federn gelassen, der Tag ist für mich wirklich super verlaufen. Das einzige was nicht dazu gepasst hat war der böse Sturz von Tom Hilde, dem ich wünsche, dass er bald wieder abheben kann.

Wird der Druck jetzt größer?
Falls je einer da war, dann überhaupt nicht, entschieden wird die Tournee in Bischofshofen, jetzt kommt Garmisch, dann die Heimbewerbe, dann wird man sehen. Wenn alles hinhaut, kann es sehr weit gehen, das habe ich heute bewiesen und das stärkt natürlich mein Selbstvertrauen.

Dein Neujahrswunsch?
Gesund bleiben, und genau das wünsche ich euch auch. Danke für ein wunderschönes gemeinsames Jahr, ich freue mich auf 2012 und mehr davon. 

 
28.12.11

Vor der Tournee

hi leute,

heute geht’s ab nach Oberstorf, wo am Freitag die Vierschanzentournee beginnt. Im Vorjahr bin ich nach meiner Verletzung ja erst bei den Österreich-Bewerben eingestiegen, jetzt bin ich wieder von Beginn an dabei und freue mich sehr auf die Schattenbergschanze, wo ich schon gewonnen habe. Der Tournee-Sieg fehlt mir ja bekanntlich noch und es ist kein Geheimnis, dass ich dieses Ziel auch unbedingt erreichen mag. Vielleicht gelingt es mir jetzt, was mir natürlich extrem taugen würde, aber unter Druck setze ich mich auf keinen Fall. Ich bin noch jung und habe noch genügend Zeit, also gehe ich die Sache wie immer bewusst locker an.

Weihnachten und die Tage daheim waren extrem lässig. Ich bin super erholt, vollkommen schmerzfrei und habe beim Training am Bergisel ein paar richtig gute Sprünge runtergeklopft. Außerdem habe ich mein Material noch einmal abgestimmt, einen neuen Schuh und zwei Anzüge getestet und meine Technik weiter perfektioniert. Ich fühle mich richtig wohl, bin voller Energie, konzentriere mich auf meine Sachen und hoffe auf die notwendige Portion Glück. Was dabei rauskommt, wird man nach Bischofshofen sehen, also schauen wir mal.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal sehr herzlich für eure vielen netten Weihnachtspostings bedanken. Ich hoffe euer Christkind war auch so brav wie meines, zwei von meinen Weihnachtsgeschenken habe ich übrigens in meinem Tourneegepäck. Coole neue Headphones und das Buch Schicksalsorte des Sports von Johannes Sachslehner.

Ich hoffe ihr seid bei meinen Sprüngen dabei, ich werde meine Eindrücke in einer Tourneegalerie festhalten und hoffe sie taugt euch.

Bis bald,
euer GS

 
20.12.11

Viele Fragen und einige Antworten

Hi Leute,
wie versprochen melde ich mich von Daheim, wo derzeit die Akkus aufgeladen werden. Ich war bereits beim Physiotherapeuten, bin gscheit eingerenkt worden und plane die Woche noch Konditionseinheiten sowie eine Trainingseinheit auf dem Bergisel. Ich möchte noch gerne ein paar Kleinigkeiten ausreizen und werde 5-6 lockere Sprünge runterknallen. Um Weihnachten herum schalte ich den Sport dann komplett aus, anschließend geht’s ab nach Oberstdorf. Eure vielen Fragen haben mich echt überwältigt, euer Interesse taugt mir wirklich sehr. Ich finde es super wie ihr hinter mir steht, darum habe ich ein paar eurer Fragen rausgesucht und hoffe, dass ihr mich durch die folgenden Antworten noch besser kennen lernt.

Habt eine wunderschöne Weihnachtszeit und lasst uns dann gemeinsam in die Tournee starten. Bis dann,
Euer GS

Facebook; Wie geht es dir nach deinem Sturz?
So weit so gut, ich spür mich zwar schon noch gscheit, aber es wird von Tag zu Tag besser. Ab Mittwoch steht einem körperlichen Training nichts mehr im Weg.

Facebook: Was bedeutet dir Weihnachten und wie verbringst du den Heiligen Abend?
Sehr viel. Es ist eine stressfreie und absolut gemütliche Zeit, der Sport rückt in den Hintergrund, die Familie und Freunde in den Vordergrund. Wir sitzen bei uns daheim zusammen und haben viel Spaß, denken aber auch an jene, denen es grad nicht so gut geht.

Facebook: Woher nimmst du die Inspiration für deine Bilder und mit welcher Kamera fotografierst du?

Ich hatte das Vergnügen Top-Fotografen wie Sven Hoffmann oder Uwe Düttmann über die Schulter zu schauen, beide haben  mich unglaublich inspiriert. Ich bin viel unterwegs und habe mir einen Blick für unscheinbare Kleinigkeiten angewöhnt, solche Motive finde ich sehr lässig. Und fotografieren tu ich mit einer Leica M9 oder meiner analogen snapshot Kamera, die mir Sven Hoffmann aus Amerika um 7 Dollar mitgenommen hat.

Facebook: Du hast vor und nach deinen Sprüngen immer Kopfhörer auf, welche Musik hörst du am liebsten?
Das ist stimmungsabhängig, wenn ich mich vor einem Sprung pushen möchte dann ACDC, wenn ich etwas zum Runterkommen brauche, dann aktuell Peter Gabriel oder Aloe Blacc. Nach den Wettkämpfen höre ich definitiv etwas Entspannendes, zum Beispiel südamerikanische Panflötenmusik.

Facebook: Kannst du das Gefühl beschreiben wenn du in der Luft bist und was spielt sich in deinem Kopf ab, wenn du gewinnst?
Bei einem guten Sprung nimmst du die Geschwindigkeit in die Luft mit, du hörst das Rauschen, spürst die Luft und die Ski und kannst mit beidem spielen. Beim Skifliegen hebt es dich bei 140, 150 Meter noch einmal voll vom Hang weg, das fühlt sich dann an als würde man mit einem Flugzeug durchstarten. Wenn mir ein guter Sprung gelingt bin ich vor allem dankbar, gewinne ich, schließe ich bei der Bundeshymne meistens die Augen und lasse den Moment auf mich wirken. Da kommt dann schon immer Gänsehaut auf.

Facebook: Wie läuft bei dir ein Trainingstag ab?
An Wettkampftagen versuche ich so lange wie möglich zu schlafen, damit der Tag kürzer wird. Ich frühstücke in Ruhe, zumeist Vollkornkost, ab und an ein weiches Ei, und trinke Tee. Am liebsten eine Rooibos-Vanille Mischung. Anschließend folgt meistens eine Pressekonferenz oder kurze Mediengespräche, dann kommt die körperliche Aktivierung dran. Anschließend esse ich eine Kleinigkeit zu Mittag, dann gönne ich mir eine letzte, zirka 20 Minuten lange Entspannungsphase auf dem Zimmer. Dann geht’s mit dem Shuttle zu Schanze, das Material wird überprüft, jeder bereitet sich individuell vor, ich lege zudem großen Wert auf die geistige Aktivierung, da hilft gute Musik besonders. Nach dem Wettkampf folgen Interviews und eine kurze Analyse, dann radle ich aus und freu mich aufs Bett.

Facebook: Was passiert wenn du bei der Tournee alle vier Springen gewinnst?
Wenn das passiert, habe ich meinen Freunden am 7. Jänner eine fette Mega-Party versprochen. Außerdem  würde ich mir wohl das genialste Geburtstagsgeschenk machen und hätte doppelten Grund ausgelassen zu feiern.

Facebook: Wie sind die Schwankungen bei der Anfahrtsgeschwindigkeit zu erklären?
Der Ski hat in der gefrästen Spur ca. 1,5 Zentimeter Spiel. Du musst gut am Ski stehen um mittig runter zu fahren, wenn du seitlich streifst, bremst das natürlich. Der Schliff, das Wachs und der Anzug spielen ebenfalls eine Rolle, aber man darf das ganze auch nicht überbewerten. Ich sag immer besser ein langsamer Anlauf und ein weiter Sprung als umgekehrt.

Facebook: Was war dein schönster und bedeutenster Sieg?
Da habe ich ein echtes Luxusproblem. Jeder meiner bisherigen Siege war für sich großartig und einzigartig, wenn man einen rausstreichen mag, dann den Weltmeistertitel aus dem Vorjahr. Weil er mein Comeback gekrönt hat und weil Oslo das Mekka des Nordischen Sports ist.

Facebook: Kommen neue Teile für die GS Kollektion?
Bis jetzt habe ich das Ganze ehe als Versuch gesehen, aufgrund des starken Feedbacks werde ich mich aber bald wieder unter die Designer schmeißen und euch im kommenden Herbst neue Stücke präsentieren. Ihr könnt alles über die Homepage bestellen und zu euch nach Hause schicken lassen.

Facebbok: Was willst du nach deiner Sprungkarriere machen?
Entweder ich mache etwas im Bereich Mode, Design und Graphik, oder ich bleibe dem Sprungsport treu. Das Trainergeschäft würde mich schon reizen, ich würde aber auch gerne junge Talente scouten und fördern. Ich habe ja selber sehr früh begonnen und kann mir gut vorstellen, dass ich den Jungen etwas mitgeben kann.

Facebook: Wo springst du am liebsten und welcher Wettkampf ist dir am wichtigsten?
Auch da habe ich ein Luxusproblem, weil ich mich im Prinzip auf jeder Schanze wohlfühle. Am liebsten springe ich bei guter Stimmung und viel Lärm, so gesehen sind die Bewerbe in Österreich, Deutschland, Lillehammer oder Zakopane immer super.

Facebok: Hast du ein Ritual vor deinen Sprüngen?
Nicht wirklich, mir ist vor allem wichtig, dass der Ablauf immer der gleiche ist. Aber ein wenig abergläubisch bin ich schon, meine meisten Siege habe ich in roten Socken gefeiert, deshalb springe ich mit rot, beim Training habe ich schwarze Socken an.

Facebook: Magst du die Öffentlichkeitsarbeit oder siehst du das als Teil deines Jobs?
Beides. Zum einen gehört Medienarbeit zum Job dazu, zum anderen kommuniziere ich gerne mit euch. Da ich mich aber in erster Linie auf den Sport konzentrieren muss, bleibt nicht immer die notwendige Zeit. Deshalb habe ich seit heuer ein Team, dass mich unterstützt und mir auch hilft, meine Homepage aktueller zu gestalten. So habt ihr noch mehr von mir, das taugt mir und ich hoffe euch auch.